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 AUSCHWITZ / Oswiecim... - Aufschlußreiches aus dem Buch „Général Petrenko – Avant et après Auschwitz suivi de „Le Kremlin et l´Holocauste 1933 – 2001“ par Ilya Altman et Claudio Ingerflom“, 282 S. fester Kartoneinband, Flammarion, Paris 2002 --- „Vor und nach Auschwitz“, gefolgt von „Der Kreml und der Holocaust 1933 – 2001“ von Ilya Altmann (Sowjetjude) und Claudio Ingerflom (Frankreich-Jude) --- Russ. Originaltitel „Do i posle Osvencima“ bei „Russische Holo....-Bibliothek“, Moskau 2000 --- Man beachte das frühe (!) Datum der „Erinnerungen“! – Deutsch von G. Deckert 11/2014

S. 138/140

„..... Es gab darüber hinaus die Gefahr einer verstärkten Auswanderung der Juden nach Palästina, was die Engländer nicht wünschten. Schließlich schloß man nicht die Möglichkeit einer Unzufriedenheit der Engländer bei einer Beteiligung an einem „jüdischen“ Krieg aus.

Ich meine, daß diese Frage vertieft werden sollte. Man müßte auch feststellen, warum die Luftwaffe nicht eingesetzt wurde, um die Krematorien und die Zufahrten zu den Todeslagern zu zerstören. Diese Fragen wären um so sachdienlicher, wenn man die Fragestellung ausweiten würde: Wie führten (sofern überhaupt) die Alliierten (die Russen eingeschlossen) den organisierten und überlegten Kampf gegen das Hitlersche KL-System? In der Tat zeigte nach der Eroberung Polens und nach dem Angriff auf die Sowjetunion die Errichtung dieser schrecklichen Todesfabriken den Sinn der Hitlerschen Politik in ihrer ganzen Tragweitebezüglich der „Völker, der Staaten und der Rassen, die als minderwertig“ und als unerwünschte angesehen wurden.

Die Alliierten und insbesondere die Sowjetunion und Großbritannien besaßen außer den Bombern weitere Mittel, „das Funktionieren des KL-Molochs einzuschränken.“ Es handelte sich vor allem um die starke Partisanen-Bewegung. Kämpfer, die von London aus durch die (polnische) Exil-Regierung gesteuert wurden sowie Widerstandsgruppen, die in Polen und in anderen europäischen Ländern, die von Deutschland besetzt waren, operierten.

Die geschichtlichen Arbeiten über den 2. WK und den Großen Vaterländischen Krieg zeigen an keinem Beispiel das Vorhandensein eines Kampfes dieser Art. Immerhin gab es Ende 1941 mehr als 2000 Partisanen-Gruppen und die geheimen Widerstandsnetze kämpften im besetzten Gebiet der UdSSR hinter den feindlichen Linien, insgesamt 90.000 Personen, und im Gesamtverlauf des Krieges waren es mehr als 6200 Gruppen mit einer Zahl von über einer Million. Die Partisanen-Aktionen wurden vom zentralen Generalstab der Partisanenbewegung, der 1942 gegründet wurde, nicht nur für den Bereich des durch den Feind besetzten Sowjet-Gebietes gesteuert, sondern auch über dessen Grenzen hinaus. In Polen operierten z. B. sieben sowjetische Partisanen-Einheiten (Brigaden) und 26 bedeutende Gruppen. In der Tschechoslowakei waren es 20 Gruppen.

Während des Krieges haben die sowjetischen Partisanen 20.000 Anschläge gegen Züge mit deutschen Soldaten, Kriegsgerät und anderen Versorgungsgütern unternommen. Sie haben 58 Panzerzüge mit 110.000 Wagen gesprengt, haben 12.000 Eisenbahn- und Straßenbrücken zerstört; sie haben 50.000 deutsche Autos zerstört. Die Partisanen haben Generalstäbe und Kasernen der Wehrmacht angegriffen, sie haben die deutsche Verwaltung in den Dörfern vernichtet, haben die Verbringung der Bevölkerung zur Zwangsarbeit nach Deutschland verhindert, haben Spionagearbeit für die sowjetischen Armeen betrieben.

Aber in dieser großartigen Bilanz der sowjetischen Partisanen gibt es kein einziges Beispiel einer Zerstörung oder eines Zerstörungsversuches irgendeines Hitlerschen KL oder eines Vernichtungs-ortes, sei es auf dem Gebiet der UdSSR oder jenseits der Grenzen. (1) Man muß feststellen, daß die Quellen, die sich mit den Aktionen der sowjetischen Partisanen befassen nicht einmal die Hitlerschen Konzentrationslager erwähnen. Die Gründe für diese Lücke in der Geschichtsschreibung der Partisanenbewegung sind in der sowjetischen Nachkriegspresse wie auch in den Arbeiten der Historiker über den „Großen Vaterländischen Krieg“ nie untersucht und aufgeklärt worden. ***

Selbstverständlich wird die Geschichte nicht erneut gemacht, aber die Frage der Hitlerschen Konzentrationslager und die Entdeckung der ganzen Wahrheit über die verbrecherische Tätigkeit des faschistischen Deutschland sind auch heute (noch) von Bedeutung, da die Neonazis und die Faschisten jeder Art die furchtbaren Verbrechen ihrer Vorgänger leugnen.

(1)   Tatsächlich haben gewisse Partisanengruppen (M. Proniagine und S. Kovpak) durch das eigenständige Handeln ihrer Anführer kleine Konzentrationslager und Ghettos, die sich in ihrem Kampfgebiet hinter den feindlichen Linien befanden, befreit. Der Hauptgrund, warum die Partisa

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(2)   nen den Juden nicht zur Hilfe kamen, lag in ihrem Auftrag: Die Nazi-Truppen und ihre technischen Möglichkeiten zu vernichten. Es war oft schwierig für sie, die Geretteten mitzunehmen, weil dies das Auftauchen der NS-Sondereinheiten, die sich an der Zivilbevölkerung rächten, nach sich zog.

 *** In der Tat ist das eine sehr gute Fragestellung! Das erinnert auch an die Tatsache, daß sich in den dicken Erinnerungs-Wälzern der demokratischen Kreuzzügler Eisenhower, verantwortlich für die Rheinwiesen-Lager, Churchill, mit Harris verantwortlich für den Bomben-Holocaust, u.a.a DRESDEN, sowie de Gaulle, dessen afrikanischen Hiwis vor allem im deutschen Südwesten, u.a. Freudenstadt/Schwarzwald, gewütet haben, von KL usw. keine Hinweise finden. Das muß in der Tat bei der „Singularität (= Einzigartigkeit) .......“ mehr als NUR verwundern!

S. 141 -  147                                                         Auschwitz

Meine kommandierenden Kollegen der Nachbardivisionen haben wie ich praktisch erst am Vorabend der Befreiung vom Vorhandensein des Konzentrationslagers erfahren. Im Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums werden die Berichte des Verantwortlichen der politischen Abteilung der 60. Armee, Generalmajor Grichaev, an den politischen Verantwortlichen der Ersten Ukrainischen Front, Generalmajor Yachetchkine aufbewahrt. Sie sind zwischen dem 26. und 28. Januar 1945 geschrieben:

„Wir haben am Bahnhof von Libiaz im Südwesten von Chrzanow (Polnisch Galizien – der Übersetzer) ein Außenlager von Auschwitz und zufällig überlebende Gefangene getroffen. Unter ihnen 30 Juden; die übrigen waren Ungarn, Franzosen, Tschechen, Polen und Russen: Allen war es gelungen, sich in den Kohlebergwerken, in denen die Gefangenen arbeiteten, zu verstecken. Die anderen waren von den Deutschen umgebracht worden. Im Lager Bahnhof Libiaz gab es 920 Häftlinge.

„Einer von ihnen, der Jude Lever, erzählte uns, daß er sich vorher im Lager Auschwitz befunden hat Dort waren zwischen 25.000 bis 30.000 Juden aus verschiedenen europäischen Ländern untergebracht. Seit vier Jahren sind sie ohne Unterbrechung dorthin gebracht worden. Wer nicht arbeiten konnte – Frauen, Alte, Kinder, Kranke – wurden von den Männern, die bei bester Gesundheit waren, getrennt und sofort umgebracht. Sie wurden in Sonderbaracken im Südteil des Lagers gebracht. Dort wurden sie entkleidet, dann in Sonderkammern vergast, ehe ihre Leichen in Krematorien verbrannt wurden. Zwölf Öfen wurden dafür gebaut, die teils mit Strom, teils mit Kohle betrieben wurden. Lever schätzt, daß sich die Zahl der Juden auf etwas 400.000 beläuft.. Während der beiden letzten Jahre sind auch die gefangenen Männer umgebracht wurden. Die Gefangenen sind sehr schlecht ernährt worden: einmal am Tag eine wäßrige Suppe mit 150 – 200 Gramm Brot. Sie wurden schwach und starben an Erschöpfung durch eine Arbeit, die über ihre Kräfte ging oder an Hunger. Dreimal in der Woche untersuchte der Arzt die Gefangenen und schickte die, die nicht mehr fähig waren zu arbeiten in die Gaskammer.

„Ab Anfang Oktober 1944 wurde das Lager Auschwitz nach Deutschland verlagert, und die Krematoriumsöfen waren ununterbrochen 24 Stunden in Betrieb. Im Dezember 1944 haben die Deutschen die Öfen gesprengt.

„Am Morgen des 27. Januar haben unsere Truppen Auschwitz und Birkenau befreit – zwei riesige Konzentrationslager. Die Deutschen waren geflohen. Zum Zeitpunkt der Befreiung waren ungefähr 10.000 Gefangene im Lager.

„Das Todeslager Auschwitz wurde den Aussagen der Einheimischen zufolge im Frühjahr 1940 gegründet. Die Gefangenen wurden in fünf Krematorien verbrannt. Viele wurden an Pfosten erhängt. Das Lager war von mehreren elektrischen Stacheldrahtzäunen umgeben. Insbesondere wurde es von SS-Soldaten bewacht. Kommandant der der SS-Hauptmann Höss. In der Zeit des Ankommens vieler Gefangener vergaste man in der Woche 10.000 bis 15.000 Menschen und verbrannte sie dann in den Krematorien. Wenn Züge mit Juden ankamen, stellten sich die SS-Leute zu beiden Seiten auf und schlugen die Ankömmlinge mit Lederpeitschen und Gewehrkolben oft zu Tode. Die Insassen starben in großer Zahl durch Hunger und Durst. 1942 sind sechs Polen aus dem Lager geflohen. Zur Vergeltung haben die Deutschen Tausende von Gefangenen erschossen. Jeden Morgen wurden Hunderte von Gefangenen nackt in die Gaskammern getrieben. Die Deutschen ergötzten sich am tödlichen Leid der Unglücklichen durch Fenster, die

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extra zu diesem Zweck eingebaut worden waren. Der Rauch der Öfen und der Geruch verbreiteten sich über gut zehn Kilometer.

„ Anfang 1945 wurden alle Juden im Lager getötet. Die Deutschen sprengten das Lager und töteten die Zeugen, um die Spuren ihrer Verbrechen bestmöglich zu verwischen.

„Das Konzentrationslager Auschwitz, Oswiecim auf Polnisch, besteht tatsächlich aus fünf Lagern und Gefängnissen. Zur Zeit befinden sich dort einige Tausend Gefangene aus allen Ländern Europas. Viele Gefangene befinden sich auf den anschließenden Straßen. Viele sind wirklich erschöpft, weinen und danken der Roten Armee. Die Leute sagen, sie wären alle umgebracht worden.

„Jedes Lager umfaßt eine große Fläche und ist von mehreren elektrisch geladenen Stacheldrahtzäunen umgeben. In jedem Lager befinden sich zahlreiche Baracken, in denen es auf zwei Ebenen zwei Reihen Bettstellen gibt. Es ist ein furchtbares, tragisches Bild.

„In einem Umkreis von 20 bis 30 Kilometer des Bergwerkgebietes von Dabrowa befinden sich 18 Außenlager. Jedes erstreckt sich über etwa zehn Quadratkilometer. In jedem Lager gibt es bis zu 80 Baracken. In jeder Baracke befinden sich 200 bis 300 Gefangene. Das Hauptziel der Lager ist die massenhafte Tötung und in erster Linie die der Juden aus ganz Europa. Die Gefangenen waren kostenlose Arbeitskräfte für die Bergwerke und die Fabriken zur synthetischen Herstellung von Benzin. An gewissen Tagen kamen acht, ha zehn Züge mit Gefangenen an: Fünf bis zehn Prozent der Ankömmlinge, die arbeitsfähig waren, blieben am Leben, die anderen wurden umgebracht. Vier große Krematorien hatten bis zu zehn Kammern, um die Menschen zu vergasen, und 30 Öfen, um die Leichen zu verbrennen. Jede Kammer konnte bis zu 600 Personen fassen. Die Krematorien rechten nicht aus, um alle Leichen zu verbrennen und ein Teil der Leichen wurde mit Benzin übergossen und in 40 Meter langen Gräben verbrannt.

„Das Lager hatte 25.000 bis 30.000 Insassen. Die Behandlung, die man den Gefangenen angedeihen ließ, führte zur Erschöpfung und verurteilte sie damit zum Tode. Sie arbeiteten täglich zwölf Stunden und manchmal auch mehr. Täglich Schläge, Folter, Demütigungen und massenweise Hinrichtungen. Im Lager Auschwitz sind 2000 Gefangene befreit worden, im Lager Birkenau 2500 und in den anderen 500 bis 800. Alle Juden waren umgebracht worden. Vierzig Prozent der Überlebenden sind so erschöpft, daß sie sich nicht bewegen können. Seit Tagen sind sie ohne Nahrung.“

 

Beim Lesen dieser Dokumente erinnerte ich mich, was ich selbst in Auschwitz gesehen habe.

Ich war Befehlshaber der 107. Artillerie-Division. Ich hörte von diesem Lager zum ersten Mal am 26. Januar über Telefon, als ich die Kämpfe zur Einnahme von Neuberun befehligte. General P. F. Ilinykh, der Befehlshaber des 106. Artilleriekorps, hatte mich angerufen, um mir mitzuteilen, daß die 100. und 322. Division bei der Befreiung von Monowica und Zarki festgestellt hatten, daß es sich um Teile eines großen Hitlerischen Konzentrationslagers handelte, dessen Zentrum in Auschwitz lag. Der Befehlshaber hatte mir mitgeteilt, daß wir nicht nur so schnell wie möglich Neuberun einnehmen, sondern auch alles unternehmen sollten, um den Feind zu hindern, nach Auschwitz zu gelangen. Er hatte befohlen, daß nach der Einnahme von Neuberun meine 107. Division sowie die 148. Infanterie-Division unseren Angriff auf dem linken Weichsel-Ufer energisch fortführen, um die Garnison von Auschwitz von hinten zu bedrohen.

     Die Hitleristen wehrten sich mit letzter Kraft. Unsere Verluste: 180 Tote. Die Stadt war am 28. Januar völlig befreit, und unsere Division bereitete sich auf den Übergang über die Weichsel vor. Bis Auschwitz, das sich auf dem rechten Ufer befand, waren es etwa ein bis eineinhalb Kilometer. General F. M. Krasavine, der Kommandant der 100. Division, die am Vorabend Auschwitz eingenommen hatte, hat mich angerufen und aufgefordert zu kommen. Ich hatte meinen Adjutanten und den Generalstab unterrichtet, daß ich für eine bis zweieinhalb Stunden weg und nach Auschwitz gegangen bin. Es gab in der Stadt ein Regiment der Division von Kraseavine, aber ihn selbst habe ich nicht gesehen.

Ich wurde auf das Lagergelände geführt. Es schneite leicht, aber der Schnee schmolz sofort. Ich erinnere mich, daß ich meinen Mantel halb offen hatte. Es begann dunkel zu werden, aber unsere Soldaten haben ein Gerät gefunden und Licht gemacht. Abgemagerte Häftlinge in Kleiderfetzen näherten sich uns und sprachen in verschiedenen. Obwohl ich viele Male Männer an der Front habe sterben sehen, war ich bestürzt über das Aussehen dieser Gefangenen, die durch eine nie gekannte Grausamkeit der Nazis in lebende Skelette verwandelt worden waren.

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Ich habe sehr viele Stellungnahmen der Nazis über die Behandlung der Juden gelesen, aber darin fand sich nichts über die Tötung von Kindern, Frauen und Alten. Erst in Auschwitz habe ich vom Schicksal der europäischen Juden erfahren. Es war am 29. Januar 1945.

Ich wurde vom Chef des Regimentes, Hauptmann Degtiariov empfangen. Er teilte mir mit, er habe am Vorabend 78 tote Soldaten und Offiziere beerdigen lassen.

Die Verschleppten hatten sich in Reihen auf dem Gelände verteilt. Zwei bleiben stehen, finden an zu lächeln und zu klatschen, als sie meinen Stern „Held der Sowjetunion“ sahen.

„Nun, seid Ihr glücklich, endlich frei zu sein? Wohin geht Ihr? Wer seid Ihr? fragte ich.

Sie kamen aus Belgien. Ich habe ihre Namen aufgeschrieben. Ich erinnere mich auch an zwei Frauen. Sie haben sich mir genähert und mich umarmt. Diese Menschen konnten noch lächeln, aber es gab auch andere, die sich nur schweigend aufrecht halten konnten: lebende Skelette, keine Menschen.

Man hat mir die Frauenbaracke gezeigt, die von den anderen getrennt war. Auf dem Boden Blut, Exkremente, Leichen: ein furchtbares Bild. Es war unmöglich, wegen des schrecklichen Gestanks der verwesenden Körper länger als fünf Minuten zu bleiben. In der Nähe der Türen sagte ich: „Ja, es ist unmöglich, länger hier zu bleiben.“

 Zum 10. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz erzählte mir der polnische Ministerpräsident, er sei Gefangener im Lager gewesen und zeigte mir das Bett in der zweiten Ebene, in dem er schlief. „Damit mehr Menschen untergebracht werden konnten, hatte jeder nur eine Bettbreite von 50 Zentimeter. Dies ist nicht möglich. Schauen Sie mich an.“

In der Tat war er groß und in bester Gesundheit. Er hat mir erzählt, wie er auf den  gestoßen und hin- und her gezerrt worden war.

Am Tag meines Eintreffens in Auschwitz hatte man 7500 Gerettete gezählt. Ich habe keine „normalen“ Menschen gesehen. Die Deutschen hatten nur die Marschunfähigen zurückgelassen. Die übrigen, all jene die noch marschieren konnten, waren am 18. Januar abtransportiert worden. Sie hatten die Kranken, die Schwachen zurück gelassen; man hat uns gesagt, es seien mehr als 10.000 gewesen. Wer noch marschieren konnte – sie waren nicht zahlreich – sind geflohen, als sich unsere Armee dem Lager näherte.

Wir haben Sanitätseinheiten der 108., 322. und 10.7. Division ins Lager geschickt. Die Ärzte der drei Divisionen hatten befehlsgemäß Plätze zum Waschen eingerichtet. Die gleichen Divisionen haben die Verpflegung organisiert. Es wurden Feldküchen geschickt. Am zweiten Tag ist ein Reserveregiment eingetroffen und hat unsere Soldaten von diesen Aufgaben befreit.

Ich habe nicht nur die Baracken betreten, die mich durch ihren Zustand stark beeindruckt haben. Man hat mir auch die Räume gezeigt, wo man vor dem Verbrennen in den Krematorien vergaste. Das Krematorium und eine Gaskammer waren gesprengt worden.

Ich habe auch Kinder gesehen.... Es war ein furchtbares Bild: Sie hatten vom Hunger aufgedunsene Bäuche, verschwommene Augen, sehr dünne Beine, Arme wie Schnüre und der Rest schien nichts Menschliches mehr zu haben – als wenn es angenäht wäre. Die Buben schwiegen und zeigten nur die Nummern, die man ihnen auf dem Arm eingebrannt hatte.

Diese Menschen konnten nicht weinen. Ich habe gesehen, wie sie versucht haben, die Augen zu trocknen, aber diese blieben trocken.  

 *****

Anläßlich des fünften Jahrestages der Befreiung des Lagers Auschwitz (Auschwitz-Birkenau) hatten Nobelpreisträger und der polnische Staatspräsident den Regierungschefs der Staaten, deren Bürger dort gefangen waren, vorgeschlagen, sich in Auschwitz zu treffen, um an diesem furchtbaren Ort eine „Botschaft des Friedens und der Duldsamkeit den Völkern der Erde“ anzunehmen. ...

 

Anmerkungen:

1)      Hervorhebungen (u. a. Fettdruck) durch den Übersetzer.

2)      Was Petrenko selbst gesehen hat und beschreibt, habe ich bewußt kursiv gesetzt, um aufzuzeigen, wie wenig Text und wie wenig INHALT in Beug auf die technischen Fragen in einem Buch von 281 Seiten „der eigentlichen Befreiung des Lagers Auschwitz(-Birkenau) “ gewidmet wird. – Unabhängig davon ist der der sehr „frühe“ (!) Zeitpunkt, hier das Jahr 2000, der Petrenko-Erinnerungen überaus bemerkenswert.

 


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Günter Deckert – mit 32 Jahren einer der jüngsten Oberstudienräte (E / F) in Bad.-Württemberg / Opfer des Radikalenerlasses am 9. Nov. 1988 = | Existenzvernichtung --- Statt einer heutigen Pension von über 3500 € / Monat nur eine Kleinstrente von 930 €.